„Es geht nicht darum, Zwängen zu entfliehen“

Eva Helfrich

Was sie mit dem f(l)airmarkt auf die Beine gestellt hat, ist schon beachtlich. Doch die persönliche Metamorphose, die Künstlerin Eva Fernbach vollzogen hat, ist die weit größere Mutprobe. Die 29-Jährige ist eigentlich Psychologin. Sie hat aber etwas gewagt, wovon viele nur träumen: Sie hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Jetzt verkauft sie erfolgreich originelle Unikate wie kunterbunte Vasen aus Gartenschläuchen, Etagères aus Porzellantassen oder Taschen aus alten Schwimmflügerln.



Inwien.at: Am 10. 12. ist der erste f(l)airmarkt über die Bühne gegangen. Wie ist es gelaufen?

Fernbach: Sehr gut, es waren über tausend BesucherInnen da.



Was gab's alles zu sehen?

Es waren über vierzig AusstellerInnen mit handgefertigten Einzelstücken und Kleinserien aus den Bereichen Artrecycling, Kindermode, Kunst, Schmuck, Mode und Accessoires da. Zusätzlich gab es die Möglichkeit, in Workshops selbst kreativ zu werden oder gemeinsam mit den Strickistinnen etwas vor Ort einzustricken. Wichtig am f(l)airmarkt ist, dass die Person, die die Dinge produziert hinter dem Verkaufsstand steht. Dadurch erhalten die Besucher die Möglichkeit, mehr über die Produkte und deren Entstehung zu erfahren.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, den f(l)airmarkt ins Leben zu rufen?

Dafür war die Auseinandersetzung mit den eigenen Arbeitsbedingungen der Startschuss. Vieles kann man als Selbständige auf eigene Faust entscheiden. Aber wenn’s um das Verkaufen geht, muss man auch Kompromisse eingehen und sich mit VeranstalterInnen, Shop-BesitzerInnen, etc. arrangieren. Da bin ich auf vieles gestoßen, was mich ziemlich erstaunt hat. Das reicht von Veranstaltungsorten mit wenig Atmosphäre, über viel zu hohe Standmieten, hin zu keinen Zu- oder Absagen auf Bewerbungen und schließlich auch die Abwertung der eigenen Produkte. In Gesprächen mit anderen Kreativen hab ich schnell gemerkt, dass es damit nicht nur mir so geht. Das war der Grund für mich, den f(l)airmarkt zu initiieren und hat es mir auch leicht gemacht, andere Leute für die Organisation zu motivieren.



Was bedeutet Ihnen Ihre handwerkliche Arbeit? Ist das ein Stück Freiheit, sich nicht mehr an die Zwänge eines 08/15-Jobs anpassen zu müssen?


Die handwerkliche Arbeit bedeutet für mich Ehrlichkeit, Bodenständigkeit. Etwas mit den eigenen Händen zu schaffen, aus Sachen, die andere Menschen wegwerfen. Das macht insgesamt ein sehr gutes Gefühl. Es geht nicht unbedingt um Freiheit, oder darum, Zwängen zu entfliehen. Wenn man selbständig ist, entscheidet man viele Dinge selbst. Aber auch das ist nicht immer ein Segen.



Woher kommen Ihre Ideen, was inspiriert Sie?

Die meisten Dinge inspirieren mich, wenn ich nicht damit rechne und die besten Ideen habe ich, wenn ich Sport mache oder in der Natur bin. Auch in Gesprächen mit Freundinnen ergeben sich oft gute Ideen für neue Projekte.



Wie viele Arbeitsschritte stecken in einem fertigen Produkt?


Ich arbeite ausschließlich mit alten und kaputten Materialien und da ist die Beschaffung oft sehr aufwendig. Es braucht ein sehr großes Netzwerk, das man immer am Laufenden halten muss, welche Materialien gerade benötigt werden. Fast alle Materialien, mit denen ich arbeite, müssen in einem ersten Schritt gereinigt werden und das meist von Hand in meiner eigenen Badewanne. Oft steht dann mehrere Tage der Wäscheständer mit nassen Luftmatratzen, Fahrrad- oder Gartenschläuchen in meiner Wohnung herum. Die Entwicklung eines Produkts ist weit mehr als sich einmal hinzusetzen und eine Idee in einen Prototypen zu verwandeln. Oft scheitert man viele Male an der Umsetzung und so kann es schon mal Jahre dauern, bis sich ein Produkt zu dem entwickelt, was es schlussendlich ist. Ich habe vor knapp sieben Jahren meine erste Tasche aus einer alten Luftmatratze genäht aber bis heute gibt es diese nicht käuflich zu erwerben, weil ich noch immer nicht zufrieden bin. Ich finde, gerade was die Preisgestaltung im Kreativbereich betrifft, braucht es mehr Transparenz, damit die KundInnen auch wissen, wie viel und wer hinter den Produkten steckt.



Haben Sie das Gefühl, es entsteht ein neues „Einzelstück-Bewusstsein“ bei den Menschen?

Ich habe das Gefühl, dass sich da gerade etwas entwickelt, ja. Im Gegensatz zu großen Unternehmen haben Ein-Personen-Unternehmen den großen Vorteil von Flexibilität, d.h. wir können schnell auf Kundenwünsche reagieren. Auftragsarbeiten sind ja ein großer Teil meiner Arbeit. Das geht von Farb-und Formwünschen über personalisierte Geschenke bis hin zu gemeinsam entworfenen Ideen, bei denen ich meine handwerklichen und materiellen Erfahrungen einbringe und für die Umsetzung zuständig bin.



Gibt es Pläne für weitere Märkte dieser Art?

Wir würden gerne aus dem f(l)airmarkt eine Marktreihe machen, d.h. dass er in regelmäßigen Abständen stattfinden soll. Denn es gibt viele, viele Ideen.



Mehr Infos über die Produkte von Eva Fernbach gibt’s unter wirrwarr.at und auf ihrem Blog wirrwarr.at/evak.


michael.nichtler-strap@repromedia.at