Gesichter der Macht

Eva Helfrich

Mahmoud Ahmadinejad hat Lachfältchen. Wladimir Putin lacht nicht einmal, wenn er dazu aufgefordert wird. Barack Obama hat ein gütiges Gesicht. Finden Sie den auch so charismatisch? Und ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Robert Mugabe blaue Augen hat? Nein? Dann bekommen Sie in Kürze die Chance, den beliebtesten und meistgehassten Regierungschefs ganz tief in die Augen zu schauen.



Sonnenkönig Gaddafi, Spitzbube Berlusconi



Auf Augenhöhe mit den Mächtigen der Welt: Die Galerie WestLicht zeigt von 21. Februar bis 22. April eine Auswahl der eindrucksvollsten Porträts internationaler Staats- und Regierungschefs. Im Auftrag des „New Yorker“ schuf der Fotograf Platon Antoniou eine einzigartige Fotoreihe. In nur fünf Tagen fotografierte er in seinem improvisierten Studio im UNO-Gebäude am East River mehr als hundert mächtige Männer und Frauen. 2009, während der Hauptversammlung der Vereinten Nationen, schnappte er sich einen nach dem anderen. Das Ergebnis ist genauso beeindruckend wie lustig. Denn manche Persönlichkeiten posieren (unfreiwillig) vor Platons Kamera, als wären sie Karikaturen ihrer selbst. Muammar al-Gaddafi wirft sich als zwiederer Sonnenkönig in Pose. Irans Mahmoud Ahmadinejad erlaubt sich ein leises, drohendes Lächeln. Heinz Fischer neigt den Kopf nachdenklich zur Seite. Und Barack Obama blickt ganz staatsmännisch in die Kamera, während Silvio Berlusconi seinen Mund zu einem süffisant anzüglichen Grinsen verzieht.

Die Guten, die Schlechten, die Mächtigen, die Schwachen



„Man gewährte Platon nicht viel Zeit mit seinen Modellen. In den meisten Fällen hatte er sie gerade mal ein paar Minuten vor seiner Kamera sitzen, manchmal reichte es nur zu vier oder fünf Aufnahmen. Aber trotz dieser gravierenden Beschränkungen hat man keine Sekunde lang den Eindruck, Platon könnte Photos der Art gemacht haben, wie Staatsoberhäupter sie gerne von sich verbreiten lassen.“, meint David Remnick, Chefredakteur des „New Yorker“ zufrieden. Die fünfzig eindrucksvollsten Beispiele aus diesem Zyklus präsentiert WestLicht zum ersten Mal in Österreich. Gewählte Staatsoberhäupter finden sich dabei neben Diktatoren und Revolutionären. Dem Betrachter ist selbst überlassen, herauszufinden, was diese Gesichter verraten. Welche Charakterzüge und Eigenschaften sie offenbaren – er kann seine Eindrücke mit seinem Wissen abgleichen und eigene Schlüsse ziehen. „Auf eine gewisse Weise behandle ich sie alle demokratisch“, sagt Platon. „Meine Art zu fotografieren vereint sie: die Guten, die Schlechten, die Mächtigen, die Schwachen – alle durcheinander. Das sind die Zeiten, in denen wir leben.“


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Platon – Gesichter der Macht
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