Das jüdische Wien

Wien war eines der großen Zentren jüdischer Kultur in Europa, bevor es als solches durch die Verbrechen des Nationalsozialismus nahezu ausgelöscht wurde. Heute entwickelt sich langsam wieder eine kleine, selbstbewusste jüdische Gemeinde. Die Stadt Wien stellt sich dieser historischen Verantwortung und versucht durch Gedenk- und Aufklärungsarbeit einen Beitrag zu leisten, damit diese Geschehnisse aufgearbeitet und nicht vergessen werden.



Vergessen verboten



Viele Künstler, Intellektuelle, Bankiers und Wirtschaftstreibende jüdischer Herkunft haben die Entwicklung Wiens zur mitteleuropäischen Metropole tatkräftig geprägt. Auch das berühmte "Rote Wien" der Zwischenkriegszeit ist eng mit sozialdemokratischen Persönlichkeiten verbunden, die ihre Wurzeln im Judentum hatten. Der Horror der Nazizeit führte zu einem abrupten Ende dieser Ära: Zwei Drittel der Wiener Jüdinnen und Juden wurden vertrieben, mehr als 65.000 im KZ umgebracht. Wien bemüht sich, sein jüdisches Erbe aufzuarbeiten und lädt dazu herzlich ein: 



Sigmund Freud Museum


Sigmund Freud konnte 1938, unterstützt von Marie Bonaparte, nach England emigrieren. An seiner einstigen Wohn- und Praxisadresse (Berggasse 19 im Neunten) befindet sich das Sigmund Freud Museum. Ein Highlight bilden originale Einrichtungsgegenstände, wie Freuds Wartezimmer, sowie eine Auswahl aus seiner privaten Antikensammlung, Autographen und Erstausgaben seiner Werke. Gezeigt werden auch historische Filmaufnahmen aus dem Privatleben Freuds und seiner Familie, zusammengestellt und kommentiert von Tochter Anna Freud.



Jüdisches Museum


Das Jüdische Museum erstrahlt seit Oktober 2011 in neuem Glanz. Neben einem kompletten Umbau des Hauses in der Dorotheergasse wurden die Dauerausstellungen und das Schaudepot inhaltlich neu ausgerichtet. Spannende Wechselausstellungen (derzeit: Bigger than life. 100 Jahre Hollywood) und zahlreiche Veranstaltungen sind an der Tagesordnung. Das Museum Judenplatz mit dem Holocaust Mahnmal ist ebenfalls Teil des Jüdischen Museums und einen Besuch wert.



Geschichtsstunde am Zentralfriedhof


Ein großes Gräberfeld aus der Zeit vor 1938 finden Sie in der Israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes (Zugang: 1. Tor). In Rudolfsheim-Fünfhaus macht der mit dem Mobiltelefon anwählbare Audioguide „Wien 15“ an zehn Stationen die Geschichte der damaligen jüdischen Gemeinde erfahrbar - Zeitzeugen erzählen. Mehr Infos unter www.herklotzgasse21.at/index.php?id=20.



Synagoge

Da damals nur katholische Gotteshäuser direkt an der Straße stehen durften, wurde die Synagoge (siehe Bild) in einen Wohnblock eingepasst: Und konnte somit als einzige unter Wiens 94 jüdischen Synagogen und Bethäusern die "Reichskristallnacht" (9./10. November 1938) unversehrt überstehen.


michael.nichtler-strap@repromedia.at