
Wien und der Stummfilm
Der Stummfilm, ein Genre, das durch die technischen Fortschritt in Vergessenheit geraten ist, hat in Wien eine lange Tradition. Nach der Präsentation des ersten Cinématographeen in Wien von den Brüdern Lumière dauerte es jedoch zehn Jahre, bis sich die Österreicher an die Stummfilmproduktion wagten. Erst während des Ersten Weltkriegs holte die heimische Filmindustrie weit aus und produzierte jährlich bis zu 140 Filme. Aus dieser kurzen, aber intensiven Ära bis 1920 sind viele Monumentalfilme und Kunstfilme mit expressionistischem Charakter erhalten. Das Filmarchiv hortet beispielsweise viele Werke des legendären Leinwandduos „Cocl & Seff“, die den österreichischen Stummfilm in die Welt trugen.
Musik als Tüpfelchen auf dem stummen i
Die Faszination des Stummfilm lebt von der lebhaften Musik, die bei den Filmvorführungen live am Piano gespielt wird. „Die Einheit zwischen Film, Musik und Publikum macht jede Vorführung zu einem besonderen Erlebnis“, sagt der Komponist Gerhard Gruber, der seit 1988 über 380 Stummfilme mit Klaviermusik untermalt hat. Sein Zugang zur Komik ist spontan und emotional, deshalb setzt er auf Improvisation. In Sekunden reagiert er auf das Leinwandgeschehen mit typisch slapstickhaften bis jazzigen Klängen: „Wenn ich in der richtigen Stimmung bin, spielt sich das Klavier praktisch von selbst.“ Der bis heute wohl bekannteste Streifen, „Der Wiener Prater im Film“, wurde ebenfalls von Gruber vertont und ist als DVD im Filmarchiv-Shop zu kaufen.

